Leseproben - Theater

Boaz Gaon
„Bug 2000“
deutscher Titel: „Familienpackung“


henschel Schauspiel, 2001

aus dem Hebräischen

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Edna Mazya
„darksite“


Ein urbanes Märchen
Litag Musik- und Theaterverlag 2002

aus dem Hebräischen

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Theater


Boaz Gaon
„Bug 2000“
deutscher Titel: „Familienpackung“


henschel Schauspiel, 2001

aus dem Hebräischen


Figuren

Vater		(60 Jahre)
Mutter		(60 Jahre)
Sohn  		(um die 20)
Tochter 		(40 Jahre)
Steve		(50 Jahre)
sehr schöne Frau 	(um die 30)





Erstes Bild  (Text gekürzt)



Vater und Sohn. Zimmer in einem mittelmäßigen
New Yorker Hotel.


Vater	
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.

Sohn
Du weißt, daß es keine Alternative gibt.

Vater
Aber es bleibt schwer.

Sohn
So schwer es dir jetzt auch fällt, Vater, später wird
es noch schwerer.

...

Vater 
Willst du irgend etwas?

Sohn
Was?

Vater
Essen? Etwas bestellen? Willst du irgend etwas?

Sohn
Nein, nein.

Vater
Hast du heute schon etwas gegessen?


Sohn
Ein Sandwich.

Vater
Wo?

Sohn
An der Ecke.

Vater
Für einen Dollar fünfzig?

Sohn
Was?

Vater
Was kam das Sandwich? Einen Dollar fünfzig?

Sohn
Eins siebzig.

Vater
Ein Sandwich für einen Dollar siebzig?

Sohn
Wozu willst du das wissen?

Vater
Brauchst du Geld?

Sohn
Was hat das jetzt damit zu tun?

Vater
Wer gibt denn heute einen Dollar fünfzig für ein
Sandwich aus?

Sohn
Eins siebzig.

Vater
...Menschen ohne Dach über dem Kopf. Aber mein 
eigener Sohn... was ißt der? Ein Thunfischsandwich...

Sohn
Cheddar...

Vater 
Für einen Dollar achtzig...

Sohn
Was willst du überhaupt...

Vater (hält Geld in der Hand)
Nimm.

Sohn
Vater.

Vater
Nimm das Geld von mir.

Sohn
Ist ja gut. Ich nehme es, okay?

Vater
Ich schlafe in einem Zimmer, das 30 Dollar die 
Nacht kostet... ich gebe dir das Geld, das ich 
gar nicht habe... 30 Dollar die Nacht...
und mein Sohn ißt ein bulgarisches Sandwich...

Sohn
...mit Cheddar.

Vater
Für einen Dollar sechzig.

Sohn
Siebzig.

...

Vater (Geld, aber nicht viel)
Nimm das hier.

Sohn
Danke.

...

Vater
Nimm es ruhig.

Sohn
Danke.

Vater
Bestell dir ein Menü in einem ordentlichen
Restaurant... in einem, wo sich die Penner
die Nase an der Scheibe plattdrücken, 
während du ißt...

Sohn
Danke.

...

Vater
Komm her.

Sohn
Ich muß-

Vater
Komm zu deinem Vater.

Der Sohn kommt.

Vater (zieht einen Riesenpacken Geld hervor)
Nimm 500 Dollar. Iß ein ordentliches Steak. 
Und hier nimm noch 500 Dollar. Lern die amerikanischen
Frauen kennen. Und die 500 steck in die Firma.

Sohn
Danke.

Vater
Und sag es deiner Schwester.

Sohn
Ich werde es ihr sagen.

Vater
Was wirst du ihr sagen?

Sohn
Genau das, was ich gesehen habe.



Dunkelheit.
¤





Edna Mazya
„darksite“


Ein urbanes Märchen
Litag Musik- und Theaterverlag 2002

hebräischer Originaltitel: jeladim ra'im


Personen: 

(in der Reihenfolge ihres Auftritts)



Pizzabote
Max Berger
Ilai Berger
Didi Shiloach
Vered, Didis Mutter
Big Daddy

Filmfiguren- Die Eltern Berger:
Zippi Berger
Yo'el Berger
Yo'els neue Frau- Imogen

Erstes Bild

Ein Luxus-Loft, alles nach dem letzten Schrei eingerichtet,
alle technischen Geräte sind supermodern: Eine Videowand,
die als riesiger Monitor sowohl für Fernsehen als auch Internet
fungiert und von einer Computerecke aus bedient wird. Weiterhin
eine High-End-Musikanlage, ist ebenfalls an den Computer
angeschlossen. Obwohl lautstarke Musik ertönt, liegt Ilai im
Bademantel ausgestreckt auf der Couch und schläft. 
Es klingelt an der Tür.


Stimme von Didi aus dem Off:
(Der Bote hört sie durch die Sprechanlage.)
Wer ist da?

Stimme hinter der Tür:
Die Pizza.

Didi:
Wer?

Stimme hinter der Tür:
Die Pizza. Ihre Bestellung...

Didi:
Ach ja, die Pizza...

Ein Türöffner summt, die Tür sieht man nicht. Der Pizzabote
kommt bis ins Wohnzimmer und sucht seinen Kunden. Entdeckt Ilai.

Pizzabote:
Hallo...Verzeihung...

Der Pizzabote überlegt, ob er Ilai aufwecken soll. Sucht im Raum
die Frau, mit der er eben noch an der Gegensprechanlage
gesprochen hat und die ihm auch die Tür geöffnet hat. 
Bewegt sich auf den Lichtstrahl zu, der aus einem der
benachbarten Zimmer hervorscheint.

Pizzabote:
Hallo, kann mal einer kommen?

Keine Antwort. Der Bote nähert sich Ilai, um ihn herum liegen
viele Geldscheine.

Pizzabote:
Hallo, (spricht lauter) Hallo (noch lauter) Hallo.

Der Pizzabote macht sich erneut auf die Suche nach einem anderen
Bewohner. Hält verwirrt inne. Nähert sich Ilai und berührt ihn
am Arm. Keine Reaktion. Der Pizzabote rüttelt sanft an Ilais 
Schulter, dessen Arm rutscht jetzt am Körper herunter, der
Bademantel klafft auseinander und entblößt eine schrecklich
blutverschmierte Wunde. Der Bote ist schockiert, sekundenlang
wie gelähmt.

Pizzabote:
Ist denn hier niemand?

Der Pizzabote überlegt. Stellt die Pizza auf der Couch ab.
Blickt auf die Geldscheine. Nimmt einen und rafft nach kurzem
Zögern alle zusammen. Bedeckt schnell noch Ilais Bauch mit dem
Bademantel so gut es geht. Rennt hinaus. Bleibt kurz vor der Tür
stehen. Dreht sich um. Kommt zurück zu Ilai, legt die
Geldscheine zurück und nimmt die Pizza. Rast wieder zur Tür.
(Verläßt die Bühne.)


Es sind Fausthiebe an der verschlossenen Wohnungstür zu hören. Der Bote kommt mit der Pizza zurück. Blickt ängstlich in Richtung Schlafzimmer. Stellt die Pizza wieder neben Ilai auf der Couch ab und eilt zum Telefon, das er in der Computerecke entdeckt. Nimmt den Hörer in die Hand. Es ist ein altmodisches Telefon mit Wählscheibe, ganz im Gegensatz zu den anderen technischen Requisiten. Wählt, bis er merkt, daß am Hörer das Kabel fehlt. Im gleichen Moment verstummt die Musik, Max kommt herein.
Max: Kein Handy dabei? Pizzabote: (dreht sich erschrocken um) Hab ich unten in der Vespa gelassen. Max: Dann kannst du bei uns telefonieren, das ist okay. Pizzabote: Ich muß gar nicht mehr telefonieren. Ich wollte nur... hier ist die Pizza. 70 Schekel. Danke. Max: Ist es kalt draußen? Oder eher warm? Pizzabote: (Hat Mühe, seine Gefühlswallungen in den Griff zu bekommen) Ein bißchen. Max: Ein bißchen was? Pizzabote: Ich habe überhaupt nicht darauf geachtet, ich bin ja die ganze Zeit... das macht 70 Schekel. Max: (Betrachtet ihn mit Sympathie) Du bist wirklich urlaubsreif, Mister Pizza. Was ist denn los, stimmt was nicht mit deinem Italotoast? Willst du was trinken? Pizzabote: Nein, nein, danke. Schon in Ordnung, das macht dann 70 Schekel. Hier ist die Rechnung. Max: (ruft in Richtung des nicht einsehbaren Zimmers) Didi, du hast das Geld. Pizzabote: (wird immer nervöser) Die ist umsonst. Ich bin zu spät gekommen. Max: Nicht doch... Pizzabote: Es ist meine Schuld, ich bin zu spät gekommen. Max: Nein, nein, du glaubst doch nicht etwa, wir gehören zu diesen neureichen Schnorrern? Glaubst du das wirklich? Pizzabote: Nein, echt, das ist schon in Ordnung. Kann mir nur einer die Tür aufmachen? Sie ist irgendwie... zu. Didi kommt herein. Didi: Brauchst du Knete? Hier auf dem Sofa liegt doch welche. Nimm am besten gleich einen Hunderter, hier, stimmt so. Pizzabote: Nein, danke. Wirklich nicht. Kann mir nur einer die Tür aufmachen? Didi setzt sich neben Ilai auf das Sofa. Nimmt die Pizza auf ihren Schoß. Hebt den Deckel des Kartons. Didi: Was ist denn das? Pizzabote: Was? Didi: Da sind ja Zwiebeln und Zucchini drauf. Pizzabote: Mit der Bestellung habe ich nichts zu tun... ich fahre die Pizzen nur aus... Didi: Da sind ernsthaft Zwiebel und Zucchini drauf. Pizzabote: Das stand ja auch auf der Bestellung. Didi: Wie bitte? Zwiebeln? Nie im Leben, wir haben Anchovis bestellt. Pizzabote: Auf meinem Bon stand Zwiebeln mit Zucchini... Didi: (zeigt auf Ilai) Nie im Leben bestellt der eine Zwiebel-Zucchini-Pizza. Versteh doch, der ist einfach nicht der Typ für Zwiebel und Zucchini. Pizzabote: Bitte. Ich habe noch heiße Pizzen im Moped. Didi: Einen Moment, wir sollten das klären. Mach bloß keinen Streß. Pizzabote: Unten werden sich die Kinder an den Pizzen vergreifen. Max: Die Kinder, ach ist das süß. Die bösen, bösen Kinderchen. Natürlich, die werden sich an deinen Pizzen vergreifen, dann geh doch. Los, zieh Leine, ist ja nicht weiter wichtig. Pizzabote: Aber die Tür ist zu. Didi: Moment mal, stopp. Mir ist das hier schon wichtig, kapiert? Er hat die Pizza bestellt (zeigt auf Ilai), also werden wir das mit ihm klären, vielleicht hat sich ja sein Geschmack geändert? Und er hatte plötzlich Lust auf Zwiebeln und Zucchini, kann ja sein, oder? (zum Pizzaboten) Ich will dich ja nicht grundlos beschuldigen. Pizzabote: Ist schon okay. Didi: (wendet sich an Ilai) Bestellst du neuerdings Zwiebeln? Na, komm schon, steh auf. Houston, we have a problem. Stellt die Pizza auf den Tisch. Schüttelt Ilai. Sein Arm rutscht herunter, und der Bademantel geht auf. Didi und Max schreien. Lange Stille. Lähmung. Max: (mit großem Erstaunen) Hast du ihn umgebracht? Warum hast du ihn umgebracht? ...
¤